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Ralf Schuricht: Taratalla. Latein Grammatik, 2009 <www.taratalla.de>.

2.4 Pronomina

2.4.5 Indefinita

 aliquis, aliquid
 irgendwer, irgendetwas (subst.)
aliquis (m./f.)
aliquid (n.)
alicuius
alicui
aliquem
aliquid
aliquō
 aliquī, aliqua, aliquod
 irgendein, -eine, -ein (adj.)
aliquī
 
 
aliquem
aliquō
aliquod
 
 
aliquod
aliquō
aliqua
alicuius
alicui
aliquam
aliquā
aliquī
aliquōrum
 
aliquōs
 
aliqua
aliquōrum
 
aliqua
 
aliquae
aliquārum
aliquibus
aliquās
aliquibus
Die Indefinitpronomina waren ursprünglich unbetonte Fragepronomina, die sich an bestimmte Wörter anlehnten. Wo diese Wörter zum Anlehnen fehlten, wurde ein stützendes ali- hinzugesetzt. Vor nē, sī, nisī, num und Relativa finden wir daher die Indefinita ohne das stützende ali-. Dort werden auch Nom. Sg. f. sowie Nom. u. Akk. Sg. Pl. wie bei den Interrogativa mit quae gebildet (vgl. aliqua).
 
 quisquam, quicquam
 (nicht) irgendwer, irgendetwas (subst.)
quisquam (m./f.)
quicquam (n.)
cuiusquam
cuiquam
quemquam
quicquam
quōquam
 ūllus, ūlla, ūllum
 (nicht) irgendein, -eine, -ein (adj.)
ūllus
 
 
ūllum
ūllō
ūllum
 
 
ūllum
ūllō
ūlla
ūllīus (!)
ūllī (!)
ūllam
ūllā
ūllī
ūllōrum
 
ūllōs
 
ūlla
ūllōrum
 
ūlla
 
ūllae
ūllārum
ūllīs
ūllās
ūllīs
Das Lateinische kennt ähnlich wie das Englische unterschiedliche Indefinita für bejahende und verneinende Aussagen. Man findet (ali)quis und (ali)quī in beiden Aussageformen, quisqam und ūllus dagegen nur in verneinenden Aussagen: sine ūllā spē – ohne jede Hoffnung, vix quisquam – kaum jemand. Bei der deutschen Übersetzung wird die Verneinung oft in das Indefinitum hineingezogen: nē quis – damit niemand, neque ūlla mulier – und keine Frau.
Man beachte bei ūllus (wie auch bei nūllus, siehe unten) die für Pronomina typischen Endungen im Gen. und Dat. Sg., während der Rest nach der ā/o-Deklintion dekliniert wird.
 
 nēmō, nihil
 niemand, nichts (subst.)
nēmō (m./f.)
nūllīus
nēminī
nēminem
nūllō
nihil (n.)
nūllīus reī
nūllī reī
nihil
nūllā rē
 nūllus, nūlla, nūllum
 kein, keine, kein (adj.)
nūllus
 
 
nūllum
nūllō
nūllum
 
 
nūllum
nūllō
nūlla
nūllīus (!)
nūllī (!)
nūllam
nūllā
nūllī
nūllōrum
 
nūllōs
 
nūlla
nūllōrum
 
nūlla
 
nūllae
nūllārum
nūllīs
nūllās
nūllīs
nēmō ist aus ne + hemō (nicht ein Mensch) entstanden, nihil aus ne + hīlum (nicht eine Faser), nūllus aus ne + ūllus (nicht irgendeiner). Letzteres wird vor allem im Maskulinum auch substantivisch verwendet und ergänzt den unvollständigen Formenbestand von nēmō. Die obliquen Kasus von nihil werden mit den entsprechenden Formen von nūlla rēs umschrieben.
Auf der Basis von quis quid bzw. quī quae quod lassen sich durch Hinzufügung diverser Suffixe weitere Indefinita bilden:
Suffix und Bedeutung
substantivisch
adjektivisch
-que
jeder (einzelne)
quisque, quidque
cuiusque usw.
quisque, quaeque, quodque
cuiusque usw.
-piam
irgend jemand
quispiam, quaepiam, quidpiam
cuiuspiam usw.
quispiam, quaepiam, quodpiam
cuiuspiam usw.
-vīs
jeder beliebige
quīvīs, quaevīs, quidvīs
cuiusvīs usw.
quīvīs, quaevīs, quodvīs
cuiusvīs usw.
-libet
jeder beliebige
quīlibet, quaelibet, quidlibet
cuiuslibet usw.
quīlibet, quaelibet, quodlibet
cuiuslibet usw.
-dam
ein gewisser,
Pl.: einige, manche
quīdam, quaedam, quiddam
cuiusdam usw., beachte aber
Akk. Sg.: quendam,quandam, ...
Gen. Pl.: quōrundam ...
quīdam, quaedam, quoddam
cuiusdam usw., beachte aber
Akk. Sg.: quendam,quandam, ...
Gen. Pl.: quōrundam ...
quisque ist ein Enklitikum, das sich nur an bestimmte Wörter anlehnt:
- an Reflexivpronomina: prō sē quisque dīcat – jeder soll für sich selbst sprechen;
- an Relativpronomina: quod cuique obtigit, id quisque teneat – was einem jedem zugefallen ist, soll er behalten drfen;
- an indirekte Fragewörter: intellegere, quō quemque natūra ferat – erkennen, wohin einen jeden seine Natur führt;
- an Superlative: optimus quisque – gerade der beste;
- an Ordnungszahlen: tertiō quōque annō – in jedem dritten Jahr / alle zwei Jahre.
Fehlt ein solches Stützwort, wird ūnus- als Stütze vorangestellt und mitdekliniert: ūnīcuique vestrum dīcam – ich werde es jedem einzelnen von euch sagen.
Mit dem Suffix -que lassen sich auch die meisten anderen Fragewörter verallgemeinern z.B. ubī (wo) – ubīque (überall). In den meisten Fällen entstehen dabei Adverbien, bei uter (wer von beiden) jedoch ein weiteres Indefinitpronomen: uterque utraque utrumque (jeder von beiden).
© 2009 R. Schuricht <www.taratalla.de>